„Etwas wachsen zu sehen, ist das Schönste der Welt.“ – Donna Leon

Sehr geehrte Leserschaft,

ich fühle mich in letzter Zeit recht baumartig.

Glaube ich.

Also so, wie ich denke, dass Bäume sich fühlen. Ich habe nämlich verstärkt das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst.

Bäume haben doch eventuell immer dieses Gefühl. Es kommt womöglich aber auf die Baumart an, also, bei Laubbäumen zum Beispiel, würde ich den Kopf intuitiv etwas tiefer ansetzen als bei Nadelbäumen. Dementsprechend wächst Nadelbäumen nicht soviel über den Kopf wie Laubbäumen.

Wächst Laubbäumen mehr über den Kopf als Nadelbäumen?

Was natürlich nicht ausschließt, dass auch Nadelbäume das Gefühl haben, ihnen würde alles über den Kopf wachsen – wenn man ehrlich ist, wächst über meinem Kopf nämlich gar nichts. Außer vielleicht meiner Frisur und die stellt kein Problem dar.

Es hat ja eher etwas mit Stress zu tun und da glaube ich, gerade wenn es auf Weihnachten zugeht, haben Nadelbäume auch ein Stressthema…

Ich versuche, es positiv zu sehen. Wachstum ist ja erstmal nicht schlechtes.

Wenn mir die Dinge über den Kopf wachsen, ist das vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass sie mich nicht mehr so sehr brauchen. Gegebenenfalls ist dies ja der Zeitpunkt für mich, mich zurückzulehnen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Aber genau da hapert es bei mir. Ich habe immer ganz viele Termine.

Und abends dann auch noch das Rückentraining!

„Hm.“ mache ich in der Sammelumkleide vom Rückentraining.

Ich schaue auf meine Füße, genauer gesagt: auf meine Socken. Die passen zwar thematisch recht gut zueinander (Karomuster) aber sie sind doch ziemlich verschieden.

Komisch, dass mir das erst am Ende des Tages auffällt. Die eine Socke (rechts) gehört nichteinmal mir, sondern dem Göttergatten. „Oje.“, denke ich, „ich laufe herum wie ein zerstreuter Professor.“

Ich überlege weiter: „Vielleicht sollte ich doch lieber eine Professur anstreben, anstatt Filme und so zu machen? Oder sollte ich statt dessen vielleicht endlich meinen Stress reduzieren?“

Dann schweife ich ab: ich denke ich an Kiefern.

Bei Kiefern sitzen männliche und weibliche Zapfen auf den Ästen – ganz so wie ich jetzt eine männliche und eine weibliche Socke trage – und die befruchten sich dann bei den Kiefern gegenseitig.

Wie schön wäre das, wenn jetzt die männliche Karomustersocke (rechts) die weibliche Karomustersocke (links) befruchten würde! In der weiblichen Socke würde dann ein Samen entstehen, den würde ich auf dem Balkon einpflanzen und daraus würde dann in aller Ruhe ein kleines Fräulein Bork wachsen. Ich müsste nur ab und zu mal gießen. Schön.

Kiefern erscheinen mir total stressfrei.

Dazu habe ich nachgeforscht – Hier ein Video über die „Liebes-Triangel der Kiefern“: was die geneigte Leserschaft schon immer wissen wollte und nie zu fragen wagte!

Der Netzwerk-Gedanke in der Welt der Kiefern hat mich nachhaltig beeindruckt!

Vielleicht sollte ich mich einfach wieder mehr mit Freundinnen und Freunden austauschen. Ein hoher Stresspegel führt oft zu sozialem Rückzug – und dann schaut man sich eines Tages um und fragt sich: wo sind denn plötzlich alle? Seit Monaten nicht gesehen… Da müsste ich ja eigentlich mal wieder anrufen… Schlimm!

Dem setze ich jetzt ein Ende!

Ab jetzt gibt es Glühwein mit mir für alle!

Am besten richte ich gleich einen Doodle-Link ein, zur terminlichen Abstimmung…

Mit wachsenden Grüßen

Fräulein Bork

P.S.: Mein halbes Leben habe ich gedacht: „’Kiefer‘ – was ist das denn für ein bescheuerter Vorname?! Was haben sich die Sutherlands bloß dabei gedacht?!“ Doch nun weiß ich es besser!

Kiefern sind standhaft, gesellig, genügsam und überall zuhause. Wir verdanken Ihnen Pinienkerne, Weihrauch und Bernstein. ‚Kiefer‘ ist ein toller Name. Kiefer ist eine coole Socke.

Schade, dass der Thronfolger schon anders heißt…

„Ich lasse das Schicksal los. Es wiegt tausend Milliarden Pfund“ (aus dem Gedicht „Aufhebung“ von Joachim Ringelnatz)

Sehr geehrte Leserschaft,

Es ist fantastisch!

Die ganze Wohnung ist voller Luftballons, die erhaben an der Decke schweben!

„Das ist inflationär.“, sagt der Göttergatte. „Das ist herrlich!“, schwärme ich. „Ufftbaddongs!“, ruft der Thronfolger.

Es ist so: wir haben ein großes Fest für den Thronfolger gefeiert und viele bunte Luftballons steigen lassen – das war an sich schon wunderschön – und zu meiner größten Freude war die Heliumflasche nach dem Fest noch halb voll!

Ich habe in unserer Wohnung alles steigen lassen, was steigbar war…

Und ich dachte: „Recht hat der Göttergatte!“ Inflation hat ja schließlich lateinische Wurzeln und meint: das Sichaufblasen.

Himmelwärts! (Foto: Ilka Brosch)

Wenn man so einen Ballon in die unendliche Weite entlässt fühlt sich das ganz besonders an.

Leicht und unwiederbringlich.

Ich dachte über’s Loslassen nach.

Aber ich musste auch an diese Zeit der Inflation denken, weil der Göttergatte „inflationär“ gesagt hatte und es eben gar nicht so gemeint hatte, wie ich es zuerst verstanden hatte (so von wegen „sich aufblasen“), sondern mehr so entwertungstechnisch, anhand der aufgeblähten Summe der Luftballons, die in unserem Haushalt in Umlauf sind.

Ich würde das ja schlichtweg als Wohlstand bezeichnen.

Aber da kommt unser heutiges Zitat ins Spiel. Das Gedicht „Aufgebung“ von Joachim Ringelnatz erschien erstmals 1923 im Simplicissimus. Das war eine verrückte Zeit.

Dann wiederum ist ja fast jede Zeit verrückt. Aber 1923 hat schon ein bisschen eine Spitzenreiterposition.

1923 kam es in Deutschland nämlich nach der schlimmen Inflation sogar zu einer „Hyperinflation“.

Wikipedia sagt:

„Immer schneller verzehnfachte sich die Abwertung gegenüber dem US-Dollar, bis schließlich im November 1923 der Kurs für 1 US-Dollar 4,2 Billionen Mark entsprach. Die Hyperinflation sorgte für einen Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft und des Bankensystems.

Zwei komplette Auflagen von 1000 Mark- und 5000 Mark-Banknoten konnten Anfang 1923 nicht mehr in Umlauf gebracht werden, sie mussten Ende 1923 mit „1 Milliarde“ und „500 Milliarden“-Aufdrucken verwendet werden.“

Hast Du mal ’ne Millarde Mark? – Man kam mit dem Gelddrucken einfach nicht mehr hinterher…

Kein Wunder also, dass bei Ringelnatz das Schicksal auch gleich „tausend Milliarden Pfund“ wiegt. Die meisten Leute in Deutschland waren zu der Zeit mindestens Milliardäre und es war billiger, die Wände mit Geld zu tapezieren als Tapeten zu kaufen. Wenn Ringelnatz in dieser Zeit ans Loslassen denkt, dann stürzt das, was er loslässt, anscheinend krachend in die Tiefe. Wenn ich ans Loslassen denke, sieht das eher so aus wie die aufsteigenden Heliumluftballons. Wenn ich ehrlich bin, lasse ich aber auch nur die leichten Dinge los. Ringelnatz sagt: „Ich öffne die Hände. Nun saust das Schicksal dahin. Ach, mir ist ungeheuer bange zumut.“ Es ist ein so schönes Gefühl, den Dingen Ihren Lauf zu lassen, wenn man zuversichtlich sein kann, dass nicht alles den Bach heruntergeht, sondern dass es sich schon finden wird. Aber die belastenden Sachverhalte sind ja gerade die, in denen wir wenig Grund zur Hoffnung haben. Das nachfolgende Video zeigt meine Interpretation des Gedichtes. (Wer hier kein Video sieht, muss auf die Webseite wechseln.) http://www.youtube.com/watch?v=3i1kyf3mjrs   Ringelnatz schrieb sein Gedicht nicht in jugendlichem Leichtsinn, sondern mit knapp 40 Jahren und ohne irgendetwas im Leben erreicht zu haben. Zumindest in dem Sinne, wie das gemeinhin verstanden wird. Eigentlich aus gutem Hause stammend, verschlug es ihn zunächst zur See und von da aus in über 30 andere Berufe. Als er dann endlich als der „Joachim Ringelnatz“, den wir kennen, ein wenig Fuß fassen konnte, bekam er Auftrittsverbot, seine Bücher und Bilder wurden verbrannt und er starb, völlig verarmt, 1934 an Tuberkulose. Hm. Wenigstens war er nicht allein. Er hatte eine Frau, die er liebevoll „Muschelkalk“ nannte. Und so legte man ihm eine Grabplatte aus Muschelkalk aufs Grab. Schön. Trotzdem: Wenn man im Leben darauf hofft, dass man bekommt, was man verdient. Muss man schon einen ziemlich langen und am besten posthumen Atem haben. Zu seinem 125. Geburtstag erfüllte seine Heimatstadt Wurzen dem Dichter einen großen Wunsch, den er in seinem Gedicht „Ehrgeiz“ formuliert hatte:

Ehrgeiz

Ich habe meinen Soldaten aus Blei Als Kind Verdienstkreuzchen eingeritzt. Mir selber ging alle Ehre vorbei, Bis auf zwei Orden, die jeder besitzt. Und ich pfeife durchaus nicht auf Ehre. Im Gegenteil. Mein Ideal wäre, Daß man nach meinem Tod (grano salis) Ein Gäßchen nach mir benennt, ein ganz schmales Und krummes Gäßchen, mit niedrigen Türchen, Mit steilen Treppchen und feilen Hürchen, Mit Schatten und schiefen Fensterluken. Dort würde ich spuken.

Joachim Ringelnatz (Foto: Genja Jonas, 1926)

Wahrscheinlich hatte das mit dem Gässchen so lange gedauert, weil die Leute in Wurzen sich vor dem Spuk gefürchtet haben. Ich glaube aber ehrlich gesagt nicht, dass Ringelnatz dort spuken wird, nachdem ich auf den Seiten des Ringelnatz-Vereins folgendes zur Gestalt des Gässchens gelesen habe: „Am 15. Mai 2008, 16 Uhr, erhielt ein Gässchen in der Wurzener Innenstadt den Namen Ringelnatzgässchen. […] Die Azubis der Bildungsfirma “in Bit” malten unter Anleitung von Malermeister Michael Kaiser nach des Dichters Wunsch tiefe Fensterluken und niedrige Türchen an die Fassade. Oberbürgermeister Jürgen Schmidt ließ Sekt ausschenken.“ So war das von Ringelnatz bestimmt nicht gedacht.   Mit seufzenden Grüßen, Fräulein Bork   P. S.: Ist doch wirklich, wirklich irgendwie krass:

10 Milliarden Mark-Briefmarke!

„Zeit ist, was verhindert, dass alles auf einmal passiert!“ (John A. Wheeler)

Sehr geehrte Leserschaft,

„Ich will eine Schildkröte!“ sagte ich neulich zum Göttergatten. „ich will eine Schildkröte und ich will ihr mit wasserfester Farbe >Follow me!< auf den Rücken schreiben – wie bei Momo!“ Der Göttergatte seufzt dann immer, wenn ich solche Sachen sage. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn der Thronfolger endlich auch in ganzen Sätzen sprechen kann, dann bin ich hoffentlich nicht mehr die Einzige, die kreative Wünsche in leicht forderndem Tonfall zu den unmöglichsten Zeitpunkten verlautbaren lässt.

„Aber erst, wenn die Katzen tot sind.“ sagte ich etwas nachdenklicher. Die Miene des Göttergatten hellt sich immer etwas auf, wenn er an das Ende der Katze-Ära denkt. Das macht mich widerum immer ganz grumpelig. Die armen Katzen! Zugegebenermaßen nerven uns die Mietzen momentan etwas. Aber die mussten auch schon so viel erdulden, seit es den Thronfolger gibt. Da kann man doch Verständnis dafür aufbringen, dass sie jetzt unleidlich sind. Die waren schließlich zuerst da. Und nun hat niemand mehr Zeit für sie und der Thronfolger hat die Jagdsaison eröffnet… wir versuchen natürlich, da Abhilfe zu schaffen.

Jedenfalls bin ich neuerdings meistens so unterwegs:

So kam ich ja überhaupt erst zu der Schildkrötenidee. Wegen Momo und dem ganzen keine-Zeit-haben. Das nervt mich so! Und es geht mir ja nicht allein so. Die geneigte Leserschaft kann da bestimmt auch ein Lied von singen…

Ich habe mir also auf Youtube ein Zeitmanagement-Tutorial zu Gemüte geführt. Die hatten auch viele hilfreiche Tipps, das gebe ich zu. Aber ich musste doch schon sehr lachen, als ich die empfohlene Antwort auf hilfsbedürftige Zeitfresser hörte: „Es freut mich, dass Du gerade mich um Hilfe bittest, aber ich habe leider keine Zeit.“ Freundlich aber bestimmt!

Hm.

Das Zeit-Management-Tutorial hat mir übrigens im gleichen Atemzug empfohlen, möglichst viel zu delegieren – ist ja klar.

Ich bestehe darauf, trotz meines vollen Terminkalenders und so, das zu tun, was ich für anständig halte, auch wenn es mich Zeit kostet. Auch wenn ich dadurch in Stress gerate.

Man muss ja auch mal das große Ganze sehen. Und anderen helfen gehört dazu.

Es gehört aber auch dazu, dass man seinen Scheiß gefälligst alleine macht, wenn man kann.

Womit ich aber wirklich ein Problem habe, ist, mir Zeit zum Genießen zu nehmen. Irgendwie denke ich immer: „Ich müsste aber eigentlich noch….“ und „Ich sollte aber vielleicht besser…“ und so.

Dabei wäre es für mein Leben eine riesige Bereicherung, wenn ich mehr Zeit zum Genießen hätte. Und damit meine ich jetzt Quality Time zum Genießen. Nicht schon halb im Koma auf dem Sofa vor dem Fernseher, wenn endlich alles erledigt ist. Sondern so mal zwischendurch oder morgens bevor alles losgeht. Auch damit stehe ich nicht alleine da.

Wie haben wir es geschafft, in einer Wohlstandsgesellschaft zu leben und keine Zeit zum Genießen von dem ganzen Kram einzuplanen?! Das ist doch wirklich bescheuert.

Wird aber nie so richtig ernsthaft hinterfragt. Also schon häufig, im Sinne einer Beschwerde, aber nicht nachhaltig im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Gegenbewegung!

Die Schildkröte Kassiopeia erklärt Momo, was zu tun ist.

Vielleicht herrscht da aber gar nicht wirklich ein Zeitmangel. Vielleicht müssen wir auch einfach mal unsere Wahrnehmung überarbeiten.

Zeit ist für uns ja wie eine Währung und das sagte schon Napoleon: „Es gibt Diebe, die von den Gesetzen nicht bestraft werden und doch dem Menschen das Kostbarste stehlen: Die Zeit.“
Dabei geht das natürlich gar nicht. Man kann auch nicht wirklich Zeit sparen.

Vielleicht geht es weniger darum, unsere Zeit besser zu „managen“ als darum, sie anders wahrzunehmen oder anders mit ihr umzugehen.

Hier steht das Höher-Schneller-Weiter-Prinzip → Gewinnoptimierung ← gegen das Der-Weg-ist-das-Ziel-Prinzip → (Er-)Lebensqualität ←.

Vielleicht ist es möglich, auch die Zeit, die wir mit Dingen oder Menschen verbringen, mit denen wir sie lieber nicht verbringen würden, noch zu retten?

Ich habe verschiedene Vorschläge, um aus der Keine-Zeit-Sache herauszukommen:

1.: Aus dem Zeitmanagement-Seminar aber trotzdem unumgänglich: Prioritäten setzen. Und: sich daran erinnern, dass man selbst diese Prioritäten setzt/gesetzt hat.

Das bedeutet auch: Selbst Verantwortung für die Zeiteinteilung übernehmen. Wer Karriere machen will, darf sich eigentlich nicht beschweren, dass er/sie kaum Zeit hat um Freunde und Familie zu treffen. Wem das zu schwer fällt, der oder die müsste seine /ihre Ziele im Leben vielleicht noch mal neu überdenken. Oder: eine gesamtgesellschaftliche Gegenbewegung starten, in der beides möglich ist.

2.: Bei allen Dingen, die man tun muss (weil sie langfristig zur Erfüllung unserer Prioritäten führen), die man aber nicht tun will (weil sie keinen Spaß machen oder anstrengend oder angsteinflößend sind):

Die Zeit, die man mit Aufgaben verbringt, nicht negativ bewerten, sondern den Moment erfahren.

Das lässt sich super anwenden beim aufräumen, Wäsche aufhängen, Gassi gehen, im Stau stehen, Mahlzeiten zubereiten, duschen, usw.

Hilfreiche Fragen: gibt es eine sinnliche Komponente dabei, die man genießen könnte? z.B.: Der Duft frisch gewaschener Wäsche, Regen auf der Haut, singen im Auto (wo einen niemand hört), frisches Gemüse verarbeiten, das angenehme Gefühl, die Dinge in Ordnung zu bringen…

Gibt es Dinge, über die ich jetzt besonders gut nachdenken kann? Was sagt oder gibt mir diese Zeit?

3.: Nicht hetzen! Nicht alles auf einmal wollen oder von sich verlangen.

Um wieder auf Momo zurück zu kommen: im folgendem Video erklärt der Straßenfeger Beppo sehr anschaulich, wie man es schafft, nicht in Zeitdruck zu geraten:

So.

Jetzt müsste ich das nur noch alles selbst beherzigen…

Ich habe aber schon das perfekte Sinnbild beim Elektrohändler meines Vertrauens gefunden:

Jeder kennt ja diese Bilder von Dali mit den zerfließenden Uhren. Ich war ganz entzückt, als ich sah, dass es die jetzt auch für „auf den Schreibtisch“ gibt! Ein tickendes Plädoyer für ein anderes Zeitverständnis!

Mit eiligen Grüßen

Fräulein Bork

P.S.:

Das heutige Zitat stammt ja von John Archibald Wheeler. Also, der hat zumindest einiges aus seiner Lebenszeit herausgeholt. Er ist 96 Jahre alt geworden, hatte drei Kinder und man hat einen Asteroiden nach ihm benannt!

Außerdem gab er den ‚Schwarzen Löchern‘ und den ‚Wurmlöchern‘ ihren Namen!

Die Arbeit an der Atombombe hätte er sich aber verkneifen können…

„Die Kaffeepause ist die heilige Messe des homo oeconomicus.“ (Pascal Lachenmeier)

Sehr geehrte Leserschaft,

mehr als einmal habe ich in den letzten Wochen Apfelsaft in meinen Kaffee geschüttet. Ich kann das nicht zur Nachahmung empfehlen. Es schmeckt überhaupt nicht. Eigentlich hatte ich es auf die Milch abgesehen – aber Müdigkeit macht ungenau.

Und der Apfelsaft steht im Kühlschrank dummerweise direkt neben der Milch.

Müde bin ich diesmal ausnahmsweise nicht wegen des Thronfolgers sondern wegen meiner zahlreichen Allergien und den dazugehörigen Allergietabletten.

Die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) sagt: „Allergien schränken die Lebensqualität der Betroffenen ein und können einen tödlichen Verlauf nehmen. Trotzdem werden sie von vielen unterschätzt.
Nur ein Zehntel der Betroffenen wird medizinisch korrekt behandelt. Dabei kann eine unbehandelte Allergie zu einer Leistungseinbuße von 30 % führen.

Neben den persönlichen entstehen auch volkswirtschaftliche Belastungen, die für Europa auf jährlich 100 Milliarden Euro geschätzt werden.“ (Quelle: ECARF)

Für AllergikerInnen ein schreckliches Bild: Tom Cruise und Mia Sara sitzen im Fantasyfilm „Legende“ (Ridley Scott, 1985) im Gras und sind von Pollen umzingelt!

Es ist ja in aller Munde (und in vielen Nasen und in reichlich verquollenen Augen): Immer mehr Menschen haben immer mehr Allergien. Ich will ja nicht sagen, wir hätten mit der Natur einen Krieg. Aber ein handfester Krach ist es allemal.

Wobei die Natur – mit Recht – bockig in ihrer Ecke sitzt und mit dem Finger auf uns zeigt: „Die haben angefangen!“, sagt die Natur. Und das stimmt ja nun leider.

Als Multi-Allergikerin wäre ich die Erste, die sich an einem großen Versöhnungsakt beteiligen würde. Ich will Frieden! Ich will wieder durch die Nase atmen!

In der Apotheken-Umschau habe ich neulich gelesen, dass Birken fast 50 Prozent der Pollenbelastung ausmachen. Die sind total aggressiv!

Eigentlich mochte ich Birken immer sehr gerne.

Bis sie auch mich in die Knie gezwungen haben. Ich habe natürlich auch gleich zahlreiche Kreuzallergien entwickelt und kann keine Äpfel mehr essen. Auch keine Kirschen, Pflaumen, Erdbeeren, Pfirsiche, Kiwis,… einfach fast alles, was Kerne oder Steine hat und in der Obstabteilung wächst, kann ich nicht mehr essen.

Also, das ist so gemein!

Und als sich dann neulich IKEA vom Expedit-System getrennt hat, … Moment! Das muss die geneigte Leserschaft eventuell erstmal verarbeiten: Seit dem 1. April 2014 gibt es bei IKEA keine Expedit-Regale und kein Expedit-Zubehör mehr zu kaufen! Wen das jetzt sehr traurig macht, der kann gleich mal bei der Facebook-Trauergruppe vorbeischauen, die hat schon über 27 000 Unterstützer.

Jedenfalls: Ich erfuhr, dass IKEA sich vom Expedit getrennt hat, um es durch eine andere Version zu ersetzen, die für IKEA wahrscheinlich angenehmer ist. IKEA ohne Expedit war bis dahin für mich unvorstellbar. Aber man merkt gleich: Internationale Mega-Konzerne denken anders: groß und rigoros!

Da dachte ich: Groß und rigoros müsste ich doch auch denken können – und kam auf eine schlichte und doch große Idee: Könnten wir uns nicht vielleicht auch von den Birken verabschieden?

Francesca Woodman, Untitled, 1980 → wer Francesca Woodman noch nicht kennt, sollte sich einmal einige Ihrer Fotos anschauen…

Wenn wir die Birken einfach alle abholzen, kurzen Prozess machen – dann kann das doch auch nicht teurer sein als die 100 Milliarden Euro volkswirtschaftlicher Belastung die jährlich durch AllergikerInnen entstehen, die alle ständig Apfelsaft in ihren Kaffee schütten.

Wir können ja schließlich auch noch Möbel und Laminat daraus machen, zur Refinanzierung.

Ich meine ja nur.

Das klingt jetzt sicherlich etwas radikal. Und – wie gesagt – eigentlich mag ich Birken sehr gerne.

Aber… Die haben angefangen!

Mit schniefenden Grüßen

Fräulein Bork

P.S.:

Auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Göttergatten, widmen wir uns der Thematik auch noch musikalisch und wagen einen Rückblick in das Jahr 1995:

 

„Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“ (Johann Wolfgang von Goethe – Erlkönig)

Sehr geehrte Leserschaft,

diesen Satz aus dem Erlkönig hatte ich im inneren Ohr, als ich nach einem Telefonat den Hörer auflegte. In dem Telefonat wurde eine Bitte an mich heran getragen, die ich nicht abschlagen konnte.

Wer kennt das nicht: Manchmal hat man das Gefühl, das ganze Leben bestünde nur noch aus Verpflichtungen.

Die To-Do-Liste ist schon längst ein To-Do-Stapel geworden und man zögert, bevor man Briefe öffnet oder ans Telefon geht, denn mit Recht befürchtet man neue Aufträge, Komplikationen oder Menschen, die sich mit einem einfach nur nett unterhalten wollen, weil sie gerade Zeit haben.

Man selber hat aber leider gar keine Zeit.

Man kann sich kaum noch daran erinnern, wann man das letzte Mal etwas getan hat, einfach nur weil man es wollte – und damit meine ich jetzt nicht die Chipstüte oder das Feierabendbier sondern etwas Richtiges, was zum Beispiel zwei Stunden dauert und auch ohne Fernseher funktioniert.

Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern.

Neulich hatte ich tatsächlich einen freien Abend – und war sogar für’s Fernsehen zu müde.

Doch anstatt die Zeit zu nutzen, um ein wenig Schlaf nachzuholen, habe ich trotzig das Internet hervorgekramt und mir in der Mediathek des Schweizer Fernsehens eine Krimiserie angeschaut.

Ich finde die Sprache der Schweizerinnen und Schweizer dermaßen faszinierend! Die sprechen alle wie meine Katze, wenn sie ein Haarknäuel heraufwürgen will. Toll! Und nach einem Glas Wein verstehe ich das Schweizerische quasi fließend.

Die Katze spricht fließend Schweizerisch!!

Ich bin aber während der Folge dreimal eingeschlafen und habe hernach überhaupt nicht verstanden, wie die den Fall gelöst hatten und einen steifen Nacken hatte ich auch. Doof. Alles nur, weil ich nach einem langen Tag nicht ohne Belohnung ins Bett wollte. Sonst hätte ich mir selbst einfach zu Leid getan.

 

Am nächsten Tag wurde alles noch schlimmer, und heute kamen wiederum ein paar Sorgen hinzu…

Was tun also, wenn kein Ende der Mehrfachbelastungen in Sicht ist?

 

Man weiß ja: Stress wirkt wie eine Druckkammer und unter Dauerdruck gerät man entweder in eine Depression oder in eine Aggression – und wer will das schon?! Man muss es also schaffen, den Druck irgendwie abzuschalten.

Mir gelingt das sehr gut ab dem Moment, in dem ich feststelle, dass ich unmöglich alles bewältigen kann, was vor mir liegt. Klingt komisch, aber solange es irgend menschenmöglich ist, das Ganze zu wuppen, versuche ich alles und stecke auch alle Energie rein. In dem Moment in dem ich merke: „jetzt geht es wirklich nicht mehr“ springt mein Notstromaggregat an und die Prioritäten liegen klar auf dem Tisch:

 

  • die Familie (inklusive meiner selbst) ist gesund, warm und satt zu halten
  • die Arbeitskraft der Erwachsenen ist aufrecht zu erhalten
  • schöne Momente müssen als solche wahr genommen werden, damit das Leben seinen Sinn behält
  • was zu schaffen ist, wird erledigt, solange es nicht mit den ersten drei Regeln kollidiert
  • jeden Tag muss etwas getan werden, das ein bisschen verrückt ist, um die Stimmung aufzulockern
  • weder aggressive noch depressive Gedanken haben ein Stimmrecht, wenn Entscheidungen getroffen werden

 

Besonders die letzte Regel ist wichtig, wenn auch nicht so offensichtlich wie die anderen. Sie führt dazu, dass niemand erschossen wird und keiner sich aufhängt.

Aber auch die vorletzte Regel ist von immenser Bedeutung. Ich bewundere da zum Beispiel die Kanadierin Line Rainville, die den Souterrain-Bereich ihrer Wohnung zum Startrek-Bereich umgebaut hat. Die schmunzelt jetzt bestimmt oft.

Der Fernsehraum von Line Rainville

 

Die geneigte Leserschaft googelt das bei Interesse bitte selbstständig – es gibt noch mehr Bilder im Internet.

 

Da gibt es außerdem den Internet-Ratgeber Gesundheitkompakt.de, der rät: „Man sollte sich Klarheit über sein Leben verschaffen und sich von Dingen oder Personen trennen, die nicht gut tun.“ Super! Das kann ich gleich auf meinen To-Do-Stapel legen.

Zum Glück hat da schon mal jemand eine Liste vorbereitet, von Leuten, die einem nicht gut tun (ich liebe es, wenn mir Leute zuarbeiten!): die geneigte Leserschaft sieht hier den „Little-List-Song“ aus dem Musical „The Mikado“. Mikado ist nämlich nicht nur das Stäbchen-Spiel, sondern auch ein japanischer Kaiser-Titel und in dem Lied geht es darum, wen man gerne mal abmurksen würde…

 

Im Moment gleicht mein Leben allerdings eher einem Jenga-Spiel – mal sehen, ob ich noch etwas drauf packen kann, ohne das alles umstürzt…

Aber ich bin zuversichtlich. Ich werde in Kürze Mikado-mäßig alle Punkte vorsichtig und Schritt für Schritt wieder abarbeiten!

 

Mit konzentrierten Grüßen!

Fräulein Bork

 

P.S.:

Und wer vom Erlkönig nur die ersten zwei Zeilen kennt oder eine Schubert-Version bei der irgendwie immer der Schluss verschluckt wird, dem sei jetzt mal dieses Video wärmstens ans Herz gelegt! Nicht abschrecken lassen von der Boy-Group-Ästhetik: die Jungs haben ihren Schubert gelernt!