„Dieser vorwurfsvoll und erstaunt wirkende Blick aus aufgerissenen Augen ist typisch für den Raufußkauz.“ (Hermann Löns für das Magazin LandKind)

Sehr geehrte Leserschaft,

nun bin ich ja gar kein Raufußkauz, obgleich ich manchmal so gucke. Und obgleich ich finde, dass alleine schon das Wort „Raufußkauz“ dermaßen entzückend ist, dass ich gerne zu denen hinüber-konvertieren würde. Ist aber schwer machbar.

Ich hatte letzte Woche ein Treffen mit einem Produzenten aus New York, um über mein neues Filmprojekt zu sprechen.

(Der geneigte Leser lässt sich jetzt den vorherigen Satz bitte nochmal auf der geistigen Zunge zergehen. Ist das nicht cool ?? So etwas wollte ich schon immer mal sagen!)

Es ging dabei aber nicht wirklich darum, meinen Dokumentarfilm zu realisieren, sondern es war ein Mentorengespräch, für das ich mich beworben hatte.

Ich erzählte dem Produzenten auch davon, dass ich plane, Drehbücher für Spielfilme zu schreiben und er meinte, aus Deutschland käme eigentlich fast nie irgendetwas, das zu gebrauchen wäre, weil die Deutschen sich irgendwie weigern, die Drehbücher so zu schreiben, dass die Leute das dann auch sehen wollen (er hat das natürlich alles viel höflicher gesagt und so, aber ich gebe hier die Quintessenz wieder, damit wir demnächst auf den Punkt kommen können).

Freundlicherweise hat er mir angeboten, mir einige Drehbücher zu schicken, die aus seiner Sicht (und auch aus ökonomischer Sicht) super seien, damit ich nach deren Lektüre mit mir selbst ausmachen könnte, ob ich mich wirklich in der Lage sähe, solche Geschichten zu schreiben.

Das fand ich toll und nett und pragmatisch und das geht auch herrlich mit meiner Sammelleidenschaft konform!

Am nächsten Morgen hatte ich eine Email mit 18 (!) Drehbüchern im Postfach. Alle ausnahmslos von Männern geschrieben.

Ich hätte vielleicht nicht ganz so sehr wie ein Raufußkauz geschaut, wenn mir etwas ganz ähnliches nicht neulich bei einem Drehbuchseminar für Dokumentarfilme passiert wäre.

Da haben wir in drei Tagen 20 Filmbeispiele besprochen, die waren auch alle durch die Bank weg von männlichen Filmemachern – gegen die ich ja wirklich nichts habe! Mann wird nur verstehen, dass sich da leichte Existenzängste auftun, wenn man eben eine Frau ist.

Wenn ich jetzt Informatik studiert hätte mit zwei anderen Frauen und 300 anderen Männern, dann würde ich mich nicht weiter wundern, dass die meisten Programme von Männern geschrieben werden – aber in der Filmbranche sehe ich doch die Frauen ÜBERALL. Das ist doch total gruselig.

schauen wie ein Raufußkauz!

Der gleiche Produzent findet natürlich auch, dass ich mich als Frau in der westlichen Welt nicht beschweren sollte, weil mir ja hier durch mein Frausein nur vergleichsweise geringe Nachteile entstehen.

Hm.

Interessant finde ich ja erstmal die Tatsache, dass die meisten Männer gleich denken, ich möchte mich beschweren, wenn ich erzähle, dass mein nächster Dokumentarfilm „Fräulein Bork denkt über’s Frausein nach“ heißen soll.

Nein, nein, keine Sorge – ich will mich nicht beschweren, ich will mich verständlich machen.

Ich kann meiner Weiblichkeit durchaus positive Aspekte abgewinnen und andere Dinge finde ich weder gut noch schlecht, sondern einfach nur interessant oder erwähnenswert. Aber wieder andere Dinge sind in unserer Gesellschaft einfach doof geregelt oder schlecht durchdacht und die wird man ja wohl noch ansprechen dürfen!

Da muss auch niemand Angst haben: ich bin eher der Typ-Lichterkette als der Fackeln-und-Heugabeln-Typ.

Ich weiß ja: ich kann mich schon glücklich schätzen, dass mir nicht die Genitalien verstümmelt werden, dass ich schreiben und lesen lernen durfte und nicht im Ganzkörperzelt verschleiert herumlaufen muss.

Auch was sexuelle Übergriffe angeht, bin ich im Vergleich zu anderen relativ glimpflich davon gekommen, ich bin nur oftmals belästigt, oftmals begrabscht, und gelegentlich verfolgt worden. Und einmal hatte ich richtig Angst, als ein Verfolger mir bis nach Hause hinterher kam und ich ihm gerade noch die Haustüre vor der Nase zuschlagen konnte (er hatte die Hose schon geöffnet). Durch die Glasscheibe der Haustüre konnte ich sehen, wie er sich noch vor dem Haus einen herunter holte.

Wie gesagt, jammern auf hohem Niveau.

Lustigerweise steht ausgerechnet das Raufußkauz-Weibchen für Emanzipation in der Vogelwelt, weil es bei guter Futterlage seinem wohlgenährten Männchen die Kinderaufzucht allein überlässt und einige Kilometer weiter mit einem anderen Männchen eine neue Familie gründet. Der Stern titelt: „Bigamie beim Federvieh“ und „Raufußkauz-Weibchen: sie lassen Mann und Kinder im Stich“.

Ich verstehe Emanzipation irgendwie anders und ich habe auch kein Bedürfnis meinen wohlgenährten Mann mit unserem Nachwuchs allein zu lassen. Andererseits möchte ich jetzt das Raufußkauz-Weibchen auch nicht verurteilen, die haben ja ein ganz anderes Leben, diese Vögel.

Da ich grundsätzlich zur Fairness neige, habe ich mir überlegt: vielleicht sollte ich den Film umbenennen in „Fräulein Bork denkt über’s Frausein nach – und über’s Mannsein auch“. Ich denke nämlich tatsächlich viel über das Mannsein nach – schließlich gehört das alles zusammen. Wir sind wie zwei Enden derselben Wurst!

Und ich weiß: Ihr da am anderen Ende habt es auch nicht leicht.

Ich denke wir sollten uns daher generell als Team verstehen.

Wir sind doch ein Team!

Liebe Leserschaft, ich finde unsere Rollenbilder unpassend und ich finde, die drücken überall… wie zu kleine Schuhe.

Es hat sich schon viel verändert, ich weiß. Aber die Richtung stimmt meiner Ansicht nach nicht ganz, weil wir uns, glaube ich, noch immer nicht richtig verstehen.

Ich finde auch nicht alles schlecht und ich weiß, liebe Männer: Ihr wisst bald gar nicht mehr wie Ihr Euch noch verhalten sollt.

Trotzdem. So soll das nicht weitergehen.

Ich möchte eine Revolution!

Eine Lichterketten-Revolution!

Und der Raufußkauz soll unser Wappentier sein!

Los, alle mitmachen!

Mit raufußkauzigen Grüßen

Fräulein Bork

„… und die Verwirrung wird all jene verwirren, die nicht wissen; niemand wird wirklich genau wissen, wo diese kleinen Dinge zu finden sind, die verknüpft sind mit einer Art von Handarbeitszeug, das durch die Verknüpfung verknüpft ist; und zu der Zeit soll ein Freund seines Freundes Hammer verlieren …“ (Filmzitat aus „Das Leben des Brian“)

Sehr geehrte Leserschaft,

ich kaufte mir neulich ein Produkt, dass mit einem unvergleichlich süßen Versprechen lockte, nämlich mit Sofort-Entwirrung!

Es handelte sich bei dem Produkt um ein Shampoo und ich habe jetzt die ganze Tube aufgebraucht.

Leider muss ich feststellen, dass ich noch nahezu genauso verwirrt bin wie vorher.

Doof.

Die Gründe meiner Verwirrung liegen auf der Hand:

  1. habe ich eine Horde Mutterschaftshormone im Leib, die meinen sonstigen Interessen meist diametral entgegenstehen
  2. habe ich kaum noch mit Erwachsenen zu tun, bin also Teilzeit-Eremit – und das ist so eine Zielgruppe für Verwirrtheit.
  3. schlafe ich kaum noch (und wenn, dann nur sehr kurz und oberflächlich) weil ich mich um den geliebten Schreihals kümmern muss und möchte.

Ich will an dieser Stelle noch einmal betonen, dass Schlafentzug nicht nur aus Kostengründen zur Folter genutzt wird, sondern weil es die Schlaflosen wirklich über kurz oder lang in die Knie zwingt.

Rübenmus-Verwirrung

Und jetzt auch noch die Sexismus-Debatte. Keine Angst, ich will gar nicht weiter darauf eingehen, ich meine ja nur. Man macht sich so seine Gedanken.

Ich habe hier ja neulich alles von „Fräulein“ auf „Frau“ umgestellt. Für mich war immer klar, dass ich mit der Erlangung des Diploms zur waschechten Frau werde. Auch nach altbackener Definition bin ich eine Frau, denn ich habe ja Mann und Kind. Sogar alters-technisch bin ich eher auf der Frauen- denn auf der Fräuleinseite. Ich muss aber den geneigten Leser hier in die allgemeine Verwirrung mit einbinden: ich will wieder zurück. Frau Bork ist meine Mutter.

Und solange die Frauenrolle in unserer Gesellschaft nicht geklärt ist, finde ich es, ehrlich gesagt auch legitim, sich solange sozusagen in der Vorstufe aufzuhalten und erst „hinüberzugehen“ wenn man weiß, ob man das auch wirklich will.

Laotse hat gesagt: „Handle, bevor die Dinge da sind. Ordne sie, bevor die Verwirrung beginnt.“ Dafür ist es nun leider zu spät. Die Verwirrung ist da. Und das Shampoo hat nicht geholfen.

Blödes Shampoo.

Es kann aber auch Vorteile haben. Khalil Gibran war der Meinung: „Sich verwirrt zu fühlen, ist der Anfang des Wissens.“

Verwirrung als Chance

Verwirrung ist eben immer auch eine Chance. Sie macht offensichtlich, dass die Dinge nicht in Ordnung sind und man kann anfangen, sie neu zu ordnen. Diese neue Ordnung ist dann oft viel schlüssiger als die alte.

Man muss sich nur trauen, mit dem Entwirren zu beginnen, anstatt auf die Verwirrung zu schimpfen.

So wie bei der Sexismus-Debatte. Na gut: erwischt. Ein paar Zeilen nur…

Es geht nicht darum, wann es ok ist, wenn wer wem in den Ausschnitt schaut. Es geht nicht um „Was darf man noch, was darf man nicht?“. Es geht darum, dass Frauen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt sind – aber nicht gleichwertig.

Und das frustriert.

Aber es ist nicht die „Schuld“ der Männer und ich glaube auch nicht die Absicht.

Ein Problem ist, dass weibliche Werte in unserer Gesellschaft nicht als wertvoll geachtet werden. Pflege, Erziehung, das Schöpferische, das Kulturelle sind stets zweitrangig und schlecht bezahlt. Ich rede hier von „weiblichen Werten“ im Sinne des weiblichen Prinzips, ich meine nicht, jede Frau ist an Erziehung oder Kultur interessiert. Dem männlichen Prinzip schreibt man Logik zu, dem weiblichen Prinzip Einfühlungsvermögen und so weiter. Solche Aufteilungen sind immer verallgemeinernd. Aber interessant ist doch, dass grundsätzlich die Dinge, die bei dieser Verallgemeinerung auf der Seite der Frauen zu Buche schlagen, eher nettes Beiwerk zu sein scheinen als eminent wichtige Dinge.

Und das ist ein Problem unserer Gesellschaft. Es sorgt dafür, dass ich mich als Frau in ihr nicht zuhause fühle.

Es sorgt dafür, dass es mir schwer fällt, Beruf und Familie zu vereinen. Es sorgt dafür, dass ich oft nicht ernst genommen werde, obwohl ich es ernst meine, es sorgt dafür, dass Depression eine „Frauenkrankheit“ ist.

Wir schaffen das aber.

Und ich meine nicht „wir Frauen“ sondern „wir, die Gesellschaft“ – wir sind nämlich ein Team und wie in jeder guten Partnerschaft geht es nicht darum, das einer gewinnt oder einer der Sündenbock ist. Es geht darum, dass wir gemeinsam glücklich werden. Oder zumindest entspannt.

Mit freundlichen Grüßen

Fräulein Bork